Voraussetzungen für eine erfolgreiche Weiterbildung

"Lernen ist ein Urbedürfnis"

Walter Trummer, Geschäftsführer der privaten Weiterbildungsakademie carriere & more in Nürnberg, spricht über die wichtigsten Voraussetzungen für eine berufsbegleitende Weiterbildung.


1. Herr Trummer, wie finden Weiterbildungswillige die richtige Weiterbildung?

Walter Trummer: Grundsätzlich gibt es zwei wichtige Aspekte, die Weiterbildungswillige beachten sollten. Natürlich ist die Vorbildung wichtig, der Status quo. Nicht zuletzt aufgrund eventueller Zulassungsvoraussetzungen oder -beschränkungen. Und jeder muss sich klar machen, wohin die Reise gehen soll. Mache ich die Weiterbildung aus rein fachlichem Interesse, will ich mich beruflich neu orientieren oder die Karriereleiter in meinem Unternehmen weiter hinaufklettern?

Das zu definieren, ist sehr wichtig - auch für die eigene Motivation! Danach werden mögliche Weiterbildungswege klarer. Als Einzelhandels-
kaufmann liegt es beispielsweise nahe, sich für den Lehrgang Handelsfachwirt anzumelden, ein Mitarbeiter in der Industrie würde den Industriefachwirt wählen. Wer noch mehr erreichen will, hat es bei der Auswahl wieder leichter: der geprüfte Betriebswirt eignet sich für alle mit einem kaufmännischen Hintergrund.

2. Weiterbildung ist also eine sehr persönliche Sache und in ihrem Aufbau durchaus vielschichtig. Es gibt Präsenz-, Online- oder auch Fernkurse. Für welchen Lerntyp eignet sich welche Weiterbildungsform?

Trummer: Egal wie man sich entscheidet: Jede Weiterbildungsform erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Für viele ist die soziale Interaktion mit Teilnehmern und Dozenten wichtig. Sie besuchen deshalb gerne ein Präsenzseminar mit festen Strukturen, die das Lernen erleichtern. Fern- und Onlinekurse sind natürlich anders organisiert. Beide setzen auf den indirekten Kontakt von Teilnehmer und Dozent über ein Medium. Das erfordert besonders viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen, bietet aber klare Vorteile wie eine variable Zeiteinteilung und eine räumliche Unabhängigkeit. In Zeiten flexibler Arbeitszeiten und steigender Mobilitätskosten sind das natürlich wichtige Faktoren.

3. Was können Interessierte schon im Vorfeld planen, damit die Weiterbildung erfolgreich in Angriff genommen werden kann?

Trummer: Zunächst sollte sich jeder klar darüber sein, warum er oder sie eine Weiterbildung machen will. Motivation ist eine der wichtigsten Zutaten, wenn es um das Gelingen geht.
Und natürlich ist eine Weiterbildung, die wirklich etwas bringen soll, immer auch an einen teilweise erheblichen Zeitaufwand gebunden.

4. Konkret beziffert: Wie viel Zeit sollten Weiterbildungsteilnehmer investieren?

Trummer: Darauf gibt es natürlich keine allgemeingültige Antwort. Ausgehend von einem Präsenzlehrgang empfehlen wir unseren Teilnehmern jedoch, für die häusliche Nacharbeit in etwa die gleiche Zeit einzuplanen, die sie auch für die Anwesenheit in den Kursen aufbringen. Es ist wichtig, das im Kurs Gelernte nachzubereiten und kontinuierlich anzuwenden. Die Zeit allein ist aber nicht der entscheidende Faktor. Ausschlaggebend sind die Verteilung der Lerneinheiten über die Woche hinweg und die Konzentration währenddessen. Ich bin fest davon überzeugt: Wer sich von seinem Smartphone ablenken lässt, verschenkt wertvolle Zeit. Jede Störung verschlechtert die Lernleistung enorm.



5. Ablenkung ist aber sicher an der Tagesordnung, wenn Teilnehmer berufstätig sind. Wie lässt sich die Doppelbelastung von Job und Weiterbildung erfolgreich meistern?

Trummer: Es ist vor allem eine Doppelbelastung, die zu Lasten der Freizeit geht. Das ist der Preis, der neben der Lehrgangsgebühr bezahlt werden muss. Es ist also sinnvoll, sich eine Lehrgangsform mit Terminen auszusuchen, die weitestgehend zu den eigenen beruflichen oder privaten Anforderungen passt. Es macht keinen Sinn, einen Lehrgang mit Abendunterricht ab 18.45 Uhr zu buchen, wenn man als Verkäufer öfter bis 20.00 Uhr arbeiten muss. Da ist der Stress schon vorprogrammiert. Jeder muss für sich überlegen, bei welchen Freizeitaktivitäten er bereit ist, für eine bestimmte Dauer zurückzustecken. Wer sich für eine oder zwei Wochen selbst beobachtet, bewusst wahrnimmt, wie er seine freien Stunden verbringt, der - und da bin ich mir sicher - findet die Zeit, die er braucht.

Ich empfehle meinen Teilnehmern zum Beispiel, sich alle TV-Sendungen, die sie auf den privaten Kanälen sehen wollen, grundsätzlich aufzuzeichnen und dann zeitversetzt anzuschauen. Wenn Teilnehmer von 20.15 bis 21.00 Uhr lernen, sich danach die Aufzeichnung ansehen und die Werbung dabei überspringen, dann sind sie mit dem Ende des Films oder der Show gegen 22.30 Uhr fertig und gewinnen so jeden Tag eine Dreiviertelstunde. Natürlich nur, wenn Sie es wirklich wollen!

6. Sie sagten es bereits: Ohne Motivation geht es nicht. Wie können sich Teilnehmer, deren Schulzeit, Ausbildung oder Studium schon lange zurück liegt, wieder für das Lernen begeistern?

Trummer: Lernen ist ein Urbedürfnis. Eigentlich lernen wir immer und stocken unseren Erfahrungsschatz auf. Je länger jemand im Beruf ist, desto mehr Erfahrungen hat er angesammelt. Das sind wichtige Anknüpfungspunkte für Lerninhalte. Gerade "ältere" Teilnehmer, also Menschen zwischen 40 und 50, profitieren von ihren praktischen Erfahrungen. Ein mit der Praxis verknüpfter Stoff bleibt deutlich länger hängen, als auswendig gelernte Theorie. Unsere Statistik zeigt: Es sind gerade die älteren Teilnehmer, die die Meisterpreise für Bestleistungen abstauben!

7. Zu einer erfolgreichen Weiterbildung zählt meist eine erfolgreich bestandene Prüfung. Wie gehen Teilnehmer am besten mit diesem Druck um?

Trummer: So banal es klingen mag, so einfach ist es für viele auch: indem man sich vor allem inhaltlich und mit prüfungsnahen Übungen gut vorbereitet. Das gibt Sicherheit, und die senkt das Stress-Level. Allerdings gibt es auch relativ viele Menschen, nach meiner Beobachtung etwa 20 Prozent der Teilnehmer, die unter chronischer Prüfungsangst leiden. Frauen sind davon stärker betroffen als Männer. Diese Prüfungsangst kann so stark sein, dass sie just in dem Moment, in dem es darauf ankommt, das Gelernte schlichtweg unzugänglich macht. In diesem Fall ist es wichtig, das Muster sofort zu durchbrechen, also nicht auf das leere Blatt zu starren, sondern sofort in eine Handlung, ein Ritual überzugehen.

Man kann beispielsweise die wichtigsten Begriffe unterstreichen, Stichpunkte und Gedanken aufschreiben oder eine kleine Antwortstruktur vorbereiten. Dadurch kommt das Gehirn in den Arbeitsmodus, die Erstarrung löst sich. Natürlich ist es auch empfehlenswert, sich mental auf die Prüfungssituation vorzubereiten, um den Stresspegel auf ein gesundes Maß zu reduzieren.


8. Bietet carriere & more Teilnehmern mit Prüfungssangst konkrete Unterstützungen an?

Trummer: Die Themen Prüfungsangst und Stressvermeidung sind mir persönlich ein sehr großes Anliegen. Es gibt für unsere Teilnehmer etwa drei Monate vor der Prüfung ein ausgeklügeltes Set aus autogenem Training, einer Arbeitsstruktur für das richtige Herangehen an Prüfungsfragen und vielen Praxistipps. Wir bei carriere & more nehmen das Thema Prüfungsangst also mindestens genau so wichtig, wie die gehirngerechte Vermittlung unserer Weiterbildungsinhalte.

9. Wie genau nehmen Sie Ihren Teilnehmern den Stress?

Trummer: Wir fangen frühzeitig damit an, prüfungsnahe Aufgaben zu lösen. Das bringt Sicherheit und eine Routine im zügigen Entschlüsseln komplexer Fragestellungen. Etwa drei Monate vor dem Prüfungstermin beginnen wir mit gelenkten Entspannungsübungen, bei denen wir uns den Ablauf des Prüfungstages vom Aufstehen bis zum ersten geschrieben Satz auf dem Prüfungsbogen immer wieder im Geiste visualisieren. Auf diese Weise gewöhnt man sich unterbewusst an diese Situation, und Gewohntes löst weniger Stress in uns aus. Auch konkrete Handlungsanweisungen mindern den Druck. Unsere Teilnehmer wissen genau, wie sie an Aufgaben herangehen müssen.

Ein Beispiel: Fordert eine Aufgabe die Nennung dreier Vor- und Nachteile eines Sachverhalts, hilft es, zunächst ein großes "T" aufzuzeichnen. Rechts ist Platz für die Vorteile, links für die Nachteile. Auf jede Seite werden nun drei Punkte gezeichnet und schon hat die Aufgabe eine feste Struktur, die dem Gehirn hilft. Denn, auch wenn mir nicht alle Vor- und Nachteile sofort einfallen, kann ich bei einem Geistesblitz wieder zurückblättern und die Aufgabe nach und nach lösen, während ich mich schon an die nächste Aufgabe mache. Das "T" versetzt einen gleich in eine dynamische Arbeitshaltung. Wir brüten nicht über einem leeren Blatt und verfallen dabei womöglich in Panik. Je länger man unter Zeitdruck nachdenken muss, desto höher ist der Stresspegel.


10. Vielleicht ein paar motivierende Worte zum Schluss: Trotz Prüfungsstress, hohem Zeitaufwand und massiven Freizeiteinbußen - warum lohnt sich eine Weiterbildung Ihrer Ansicht nach in jedem Fall, Herr Trummer?

Trummer: Ich kann nur sagen, der persönliche Einsatz lohnt sich immer. Nach Untersuchungen der IHK steigen ca. 56 Prozent gleich im ersten Jahr nach der Prüfung auf, nach fünf Jahren sind es sogar 72 Prozent, die nach ihrer Weiterbildung die Karriereleiter hochklettern. Neben den gesteigerten beruflichen Chancen und Perspektiven, bewirkt eine Weiterbildung aber auch immer eine Weiterentwicklung auf persönlicher Ebene.

Wer sich noch einmal heraustraut aus der beruflichen Routine, sich einer neuen Herausforderung stellt und weiter an sich arbeitet, bleibt up to date und kann im Job und auch privat mit gestärkter Kompetenz mitreden. Oft hört man, man müsse zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um Chancen ergreifen zu können. Das stimmt sicher. Das richtige Timing nutzt einem aber nur dann etwas, wenn man vorbereitet ist.






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