Weiterbildung Fachwirt - im Beruf aufsteigen

Der Fachwirt ist in vielen Berufen eine beliebte Aufstiegsfortbildung, trotzdem gibt es vor allem bei den Fragen zu Voraussetzungen und anschließenden Berufschancen immer wieder Unklarheiten. Durch eine intensive Foren-Recherche und die vielen Anfragen, die uns selbst hier auf dem Portal erreichen, wissen wir um die Schwierigkeiten, mit denen sich Interessierte im Vorfeld einer solchen Weiterbildung auseinander setzen.

In welchen Berufen macht ein Fachwirt überhaupt Sinn? Welche Chancen haben ausgebildete Fachwirte auf dem Arbeitsmarkt? Was für einen Zeitaufwand muss man einplanen? Dazu haben wir als Interviewpartner Frau Nina Schwandke, Lehrgangskoordination bei FORUM Berufsbildung, gewinnen können. FORUM Berufsbildung ist ein freier und gemeinnütziger Bildungsträger, der sich insbesondere für eine praxisnahe und teilnehmerorientierte Weiterbildung in Berlin einsetzt.

Ergänzend zu den Antworten von Frau Schwandke, haben wir zudem Auszüge aus dem Infoblatt des FORUM Berufsbildung mit den Vorschriften der IHK, im Artikel aufgeführt.


1. Erst einmal eine allgemeine Frage: Was genau ist ein Fachwirt? Wie unterscheidet sich eine Weiterbildung zum Fachwirt von einer "normalen" Weiterbildung?

Schwandke: Der Fachwirt ist eine Aufstiegsqualifikation. Er baut auf einer kaufmännischen Ausbildung und beruflicher Erfahrung auf. Die Zulassungsvoraussetzung ist von der IHK, die die Prüfung bei allen Fachwirten abnimmt, vorgeschrieben.


2. In welchen Branchen und Berufszweigen gibt es die Möglichkeit, sich zu einem Fachwirt ausbilden lassen?

Schwandke: Der Fachwirt wird in allen kaufmännischen Berufen angeboten. z. B. Veranstaltungsfachwirt, Immobilienfachwirt, Wirtschaftsfachwirt, Tourismusfachwirt, Fachwirt im Sozial-und Gesundheitswesen (bei der IHK finden Sie eine genaue Auflistung)

3. Wer kann eine Weiterbildung zu einem Fachwirt machen? Welche Voraussetzungen gibt es?

Schwandke: Eine mit Erfolg abgeschlossene Abschlussprüfung in einem kaufmännischen Beruf und eine mindestens einjährige Berufserfahrung. Aber auch Quereinsteiger mit einer Berufserfahrung von mindestens drei Jahren.

Für die Weiterbildung zum/zur Wirtschaftsfachwirt/in gilt laut IHK Folgendes:


(1) Zur Prüfung in der Teilprüfung "Wirtschaftsbezogene Qualifikationen" ist zuzulassen, wer Folgendes nachweist:

1. Eine mit Erfolg abgeschlossene Abschlussprüfung in einem anerkannten mindestens dreijährigen kaufmännischen oder verwaltenden Ausbildungsberuf oder

2. Eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung in einem sonstigen anerkannten mindestens dreijährigen Ausbildungsberuf und danach eine mindestens einjährige Berufspraxis oder

Eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung in einem anderen anerkannten Ausbildungsberuf und danach eine mindestens zweijährige Berufspraxis oder

3. Eine mindestens dreijährige Berufspraxis


(2) Zur Prüfung der Teilprüfung "Handlungsspezifische Qualifikationen" ist zuzulassen, wer folgendes nachweist:

1. Die abgelegte Prüfung der Teilprüfung "Wirtschaftsbezogene Qualifikationen", die nicht länger als fünf Jahre zurückliegt,
und
1. mindestens ein Jahr Berufspraxis im Fall des Absatz 1 Nummer 1 oder ein weiteres Jahr Berufspraxis zu den in Absatz 1 Nummer 2 bis 4 genannten Fällen.


(3) Die Berufspraxis gemäß Absatz 1 und 2 soll im kaufmännischen oder verwaltenden Bereich absolviert sein und wesentliche Bezüge zu den Aufgaben eines "Wirtschaftsfachwirt IHK" / einer "Wirtschaft sfachwirtin IHK" gemäß § 1 Absatz 2 haben.

(4) Abweichend von Absatz 1 und Absatz 2 Nummer 2 kann zur Prüfung auch zugelassen werden, wer durch Vorlage von Zeugnissen oder auf andere Weise glaubhaft macht, dass Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) erworben worden sind, die eine Zulassung zur Prüfung rechtfertigen."

4. Wie lange dauert eine Weiterbildung im Regelfall und mit welchen Arbeits- und Zeitaufwand müssen Interessierte rechnen?

Schwandke: Die Weiterbildung dauert im Regelfall 18 oder 24 Monate. Der Zeitaufwand beträgt ca. 10 h pro Woche ( 4 h Präsenz und 4-6 h Vor-und Nahbereitung)

5. Welche Inhalte werden in der Weiterbildung vermittelt? Welche Aufgabengebiete im Beruf können nach Erwerb des Fachwirts übernommen werden?

Schwandke: Der Fachwirt ist in zwei Schwerpunkte aufgeteilt:

  1. Wirtschafsbezogene Qualifikation
  2. Handlungsspezifische Qualifikation

Aufgabengebiete: Diese sind ganz unterschiedlich bei den verschiedenen Fachwirten. Es wird auf eine Führungsposition im mittleren Management vorbereitet. z.B. Abteilungsleiter, Teamleiter, Sales Manager, Betriebsleiter, Projektleiter

6. Das FORUM Berufsbildung bietet den Fachwirt in ganz bestimmen Bereichen an - gibt es Berufszweige, wo Sie als Lehrgangskoordinatorin sagen können, dass sich eine Weiterbildung zum Fachwirt sicher lohnt?

Schwandke: Der Wirtschaftsfachwirt ist ein neu entwickelter Fachwirt. Er bringt Chancen für eine Position in allen Bereichen der Wirtschaft.

7. Gibt es Möglichkeiten, sich die Weiterbildung finanzieren zu lassen, bzw. finanzielle Förderung hierfür zu beantragen?

Schwandke: Ja, hier kann ich das Meisterbafög empfehlen. 50 % werden vom Staat übernommen. Außerdem gib es die Möglichkeit den Rest über ein zinsloses Darlehen zu finanzieren.

8. Welche Aussichten und Perspektiven eröffnen sich für Absolventen der Weiterbildung? Gibt es auch noch im Anschluss Möglichkeiten, sich weiter fortzubilden?

Schwandke: Ja, es gibt die Möglichkeit einen Universitären Abschluss zu absolvieren. Meine Erfahrungen sagen allerdings, dass der Abschluss zum Fachwirt und das erworbene Wissen oft ausreichen um die gewünschte Position im Unternehmen zu erlangen.

Tipp:

Nähere Informationen zur Weiterbildung Fachwirt können entweder beim FORUM Berufsbildung Berlin oder bei der örtlichen IHK eingeholt werden.





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