Weiterbildung während der Ausbildung: Gründe und Möglichkeiten

Eine Weiterbildung macht durchaus auch schon während der Ausbildung Sinn - schließlich ist der Arbeitsmarkt ein hart umkämpftes Gebiet und wer mit ein paar zusätzlichen Leistungen trumpfen kann, sichert sich vielleicht nach der Ausbildung entscheidende Vorteile.

Wer neben der Ausbildung noch für ein Sprachzertifikat oder auch eine bestimmte EDV-Anwendung die "Schulbank drückt", zeigt nicht nur Motivation und Leistungsbereitschaft, sondern kann einfach mehr bieten als die Kollegen aus der Ausbildung.

Allerdings gibt es nicht nur die motivierten Azubi-Überflieger, die sich in Angeboten der IHK oder des Ausbildungsbetriebes noch zusätzlichen Stoff aneignen. Zum Teil werden auch Weiterbildungen schon während der Ausbildung nötig, wenn schon vorher Defizite in bestimmten Bereichen vorlagen. Auch für diese Fälle werden immer mehr Angebote durch die Verantwortlichen geschaffen.

Wir haben uns deswegen nicht nur Angebote von Azubi-Weiterbildungen angeschaut, sondern sind auch den verschiedenen Ursachen und Gründen für das vermehrte Angebot an Weiterbildungen während der Ausbildung nachgegangen.

Gründe für eine Weiterbildung

Was die Schule nicht mehr mitgibt, muss in der Ausbildung nachgeholt werden. Alle Jahre wieder erfahren wir von den Ausbildungsunternehmen und Kammern aus den Medien, dass sowohl die Grundkompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen) als auch die sozialen Kompetenzen immer mehr nachlassen. Viele Berufsschüler nehmen entsprechende Nachhilfeangebote wahr, weil sie das Gefühl haben, dass sie nicht ausreichend ausgebildet worden sind oder nicht ausreichend ausgebildet werden.

Es muss also nicht unbedingt die mangelnde Leistungsbereitschaft junger Menschen sein, die dazu führt, dass eine Weiterbildung nötig wird. Mitunter steckt der Teufel auch im Detail, wenn sich kleine und mittelständische Unternehmen billige Azubis gönnen, um sie dann gleich mit Aufgaben des Tagesgeschäfts zu verheizen. Leistungsbereitschaft ist das eine, eine umfassende Begleitung von jungen Menschen das andere. Unternehmen, die keine ausreichende Personaldecke oder keine Ausbildungsstruktur haben, provozieren geradezu das Desinteresse junger Menschen.

Der Leistungsabfall junger Auszubildender

Dennoch, und das muss auch festgehalten werden, sind Auszubildende heute häufig nicht ausbildungsreif. In diesen Fällen sind die Unternehmen gezwungen, ihre Auszubildenden mit Weiterbildungsangeboten nachzuschulen. Eine Ursache für die fehlende Ausbildungsreife ist sicher die Praxisferne von Schulen, die noch immer zu beklagen ist.

Zum anderen aber haben sich in dem letzten Jahrzehnt tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen ergeben, die sich nachhaltig negativ auf junge Menschen auswirken. Der steigende Internet- und Fernsehkonsum trägt eine Mitverantwortung dafür, dass grundlegende soziale Kompetenzen kaum mehr entwickelt werden. Die Schule allein kann dieses Problem nicht lösen.

Auch die Ganztagsschule kann keine Lösung bringen, wenn in der Qualität Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Im Fokus der Diskussion geraten damit schnell die Familien, die entscheidend zur Förderung der sozialen Kompetenzen beitragen können. Bei genauerem Hinsehen ist das Problem hier aber noch vielschichtiger. In berufstätigen Familien fehlt es mitunter an Zeit und Geduld, die Entwicklung der Jugendlichen genauer zu beobachten. Zugleich fehlen Eltern selbst häufig Grundkenntnisse dafür, die Schullaufbahn heute noch begleiten zu können.

Förderangebote für Azubis

Weiterbildungsangebote für Azubis müssen aber nicht der Not oder den Defiziten geschuldet sein. Sie können durchaus in manchen Branchen Sinn machen, wenn Sie ergänzend das Profil junger Menschen abrunden sollen.

Sie steigern dann die Motivation der Auszubildenden und signalisieren ihnen, dass man im Unternehmen nachhaltigen Wert auf ihre Ausbildung legt.

Die Erfahrung vieler Unternehmen ist auch, dass eine stärkere Einbindung von Azubis im Unternehmen ganz von selbst positive Leistungseffekte hervorbringt. Und je klarer ein Ausbildungsunternehmen strukturiert ist, desto besser finden sich junge Menschen wieder.

Konkrete Angebote für Auszubildende

Je enger die Weiterbildungsmaßnahme mit dem Unternehmen verflochten sind, desto stärker spüren junge Menschen auch den Rückhalt in ihrem Unternehmen. Allen Azubis ist vor Weiterbildungsmaßnahmen jedoch zu raten, mit dem Ausbilder persönlich zu sprechen. Nicht jede Weiterbildungsmaßnahme macht Sinn. Die Eigeninitiative von Azubis sowie das persönliche Gespräch mit dem Ausbildungsleiter sind für die Weiterbildungperspektive deswegen entscheidend.

Zudem haben aber auch Auszubildende einen rechtlichen Anspruch auf Bildungsurlaub. Besonders die Angebote der Volkshochschule sind hier zu erwähnen, da sie sehr oft spezielle Kurse um Bildungsurlaub und dazu günstige Preise anbieten. Denn gerade umfangreiche Weiterbildungen bei privaten Bildungseinrichtungen sind oft mit sehr hohen Kosten verbunden, die sich kaum ein Auszubildener leisten kann.

Aber auch bei den entsprechenden Kammern, wie zum Beispiel der IHK, gibt es häufig Angebote für Auszubildene. Hier werden spezielle Zusatzqualifikationen in Fremdsprachen oder auch in der Betriebswirtschaft angeboten. International sei zudem das Eu-Förderprogramm Leonardo da Vinci zu erwähnen, das junge Auszubildende im Rahmen einer Weiterbildung im Ausland unterstützt. Die Stärkung der Fremdsprachenkenntnisse sowie die Schulung interkultureller Kompetenzen macht gerade für junge Leute in internationalen Betrieben Sinn.





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