"Social Learning" - Lernen im digitalen Zeitalter

Social Media wie Facebook, Youtube, Twitter & Co., aber auch Onlinediskussionen, Foren und Blogs sind bereits zum festen Bestandteil unserer sozialen Umwelt geworden. Mit "Web 2.0" hat sich die Kommunikation und Interaktion in den digitalen Medien etabliert. Auch die Weiterbildung nutzt diesen Trend und führt mit "Social Learning" neue, innovative Wege des Lernens ein. Für Schulen und Unternehmen eröffnen sich damit neue Möglichkeiten in der Mitarbeiterbildung. Für die Lernenden öffnet sich die Tür zu einer neuen Welt der Weiterbildung.

"Social Learning" in der Weiterbildung - ist das wirklich neu?

Nach der Revolution durch das E-Learning bringt das "Social Learning" den Gruppenaspekt ins Spiel. Lernen in der Gruppe kennen wir bereits schon - aus der Schule. Doch "Social Learning" basiert auf den Technologien des Web 2.0 und mit dem Einbeziehen der Social Media lassen sich in der Weiterbildung besonders innovative Konzepte umsetzen. "Social Learning" führt nicht nur neue Lernmethoden und Lerneffekte ein, sondern es lässt sich meist auch besser in den Alltag integrieren. Das Lernen mit einem Computerspiel ("Game-based Learning") wird zum Bestandteil der Erwachsenenbildung, während die Erstklässler ihre ersten Schreibversuche mit dem Touchscreen machen. All das sind neue Konzepte, die mit großem Erfolg angenommen werden: Nicht nur von Anbietern und Unternehmen zur Weiterbildung, sondern besonders gerne von den Lerninteressierten.

"Social Learning" - vernetzt lernen

Basierend auf der Idee des Konnektivismus (engl. Connectivism) entwickelt sich das "Social Learning" zum "ganzheitlichen Lernen". Die Lerntheorie betrachtet nicht nur den Menschen als isoliertes Wesen, sondern als vernetztes Individuum. Vernetzt ist der Lernende nicht nur mit der Gruppe, sondern auch mit nicht-menschlichen Quellen. Das Internet mit Web 2.0 und die Social Media ergänzen das E-Learning, das mit DVDs, Videos und CDs einst so hoffnungsvoll begann und doch schnell an seine Grenzen stieß. Bandbreiten, Internetverfügbarkeit und zu hohe Antwortzeiten verdarben den Teilnehmern bald schon den Spaß an der Weiterbildung. Konnektivistische Lehrmethoden, wie das "Social Learning" verwenden in der Schulung alle Onlineformate: Artikel, Videos und Audioaufzeichnungen werden zur Verfügung gestellt und auch Prüfungen können online abgenommen werden.

Weiterbildung leicht gemacht

"Social Learning" setzt eine Vielzahl von Medien und Formaten ein, die einen synergetischen Lerneffekt bewirken.

  • Texte
  • Videoaufzeichnungen
  • Audiodateien
  • Apps und interaktive Anwendungen
  • Foren zur Diskussion der Teilnehmer
  • bereitgestellte Moodle-Plattformen
  • Blogs mit Beiträgen, Kommentaren und Seminararbeiten
  • Onlinetreffen im "Virtual Classroom".

Ziel ist es, die spezifischen Vorteile der jeweiligen Medien für den Lernzweck zu nutzen und die Teilnehmer in einen Dialog einzubinden. Die Kommunikation zwischen den Teilnehmern soll sich motivierend auswirken, aber gleichzeitig auch eine einheitliche Wissensbasis sicherstellen. Bei der Online-Diskussion zeigen sich Wissensdefizite, die sich ebenso schnell ausgleichen lassen. Mit den Möglichkeiten des Web 2.0 kann auf den Studienteilnehmer schnell und individuell eingegangen werden - in der Gruppe und von der Gruppe.

"Social Learning" - online, umsonst und was noch?

Die MOOCs (Massive Open Online Courses) sind meist kostenlos angebotene Kurse, die einer riesigen Anzahl von Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Dabei kann es sich um per Video aufgezeichnete Vorlesungen handeln, die mit einer Prüfung abgeschlossen werden (xMoocs) oder aber Lerninhalte im Seminarcharakter (cMoocs). Auch eine Kombination aus xMoocs und cMoocs wird angeboten, wie etwa eine mentororientierten Gruppenarbeit.

xMoocs sind meist aufgezeichnete reguläre Vorlesungen der Universität, die einer großen Masse von Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden. Fragen an den Vorlesenden können nicht gestellt werden, doch wird das Fehlen der unmittelbaren Kommunikation mit dem Einbeziehen der Onlinemedien kompensiert. Forendiskussionen, Onlinesprechstunden und Austausch der Teilnehmer über E-Mail und Social Media ermöglichen das Klären von Fragen und die Bereitstellung von Lehrmaterial

cMoocs in ihrer seminaristischen Form sind weniger formal und lassen den Teilnehmern mehr Spielraum, um sich mehr oder weniger stark in den "Unterricht" einzubringen. Ein Oberthema wird vorgegeben und ein Zeitplan mit Abschnitten und Ereignissen ausgehändigt. Die cMoocs-Teilnehmer können eigene Beiträge, Tweets oder Podcasts erstellen und so zum Wachsen des Onlinematerials und zur Entwicklung des Kurses beitragen. Eingeteilt in vier Stufen, erfolgt die Beteiligung der Studierenden typischerweise durch:

  • Orientieren (Aggregate) - mit der Auswahl des Themengebietes
  • Ordnen (Remix) - mit der individuellen Strukturierung des Themas aus Sicht des Lernenden
  • Beitragen (Repurpose) - und damit der aktiven Teilnahme, wie etwa mit einem Text oder einem Video
  • Teilen (Feed Forward) - das "Sharen" der eigenen Beiträge und Gedanken zum Oberthema mit der Gruppe.

Kritiker kommen zu Wort

Wer neue Wege geht, muss mit Kritik rechnen. Nicht anders ist es beim "Social Learning". Manche kritisieren die verwendete Terminologie sprechen von einer neuen Lernmethode, während andere lediglich die Einführung neuer Lerntechniken feststellen können. Kritisiert wird auch das den Teilnehmern zur Verfügung gestellte Material. Insbesondere bei den xMoocs, den Aufzeichnungen von Vorlesungen, scheiden sich die Geister. Zu unprofessionell und zu wenig lernförderlich sei das E-Learning-Material aufbereitet. Der einfache Mitschnitt einer Vorlesung ist jedoch zunächst die Voraussetzung, um die Angebote einer großen Masse kostenlos zur Verfügung zu stellen. Während auch beim "Social Learning" sicher noch Optimierungspotenzial besteht, so geben die Erfolge bereits recht. Zeitgemäß und an den Alltag der Studierenden angepasst, ist das "Social Learning" die Zukunft der Weiterbildung.

Radikal neu - zum Vorteil der Studierenden

Die Online-Plattformen der "Digital Schools" sind für viele Interessierte die einzige Möglichkeit, sich in der Freizeit weiterzubilden. Kostenlos und ein breites Themengebiet umfassend, finden sich unter den cMoocs und xMoocs interessante Themen. Nicht unbedingt muss das Themengebiet beruflich genutzt werden können, sondern gerade die privaten Interessen lassen sich im kostenlosen Onlinestudium und im Austausch auf den Social Media ausbauen und mit Interessierten aus der ganzen Welt teilen. Mütter können sich kostenlos und bei freier Zeiteinteilung mit Kinderpsychologie auseinandersetzen, Arbeitslose werden zum Webdesigner.

Das "Social Learning" schlägt die Brücke: zwischen E-Learning und der zeitgemäßen Kommunikation mit der "Außenwelt". Es scheint, auch die Weiterbildung ist nun endlich im 21. Jahrhundert angekommen.





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