Weiterbildungsreport 2012: Alle Daten und Fakten

Weiterbildung gehört, neben Hochschule, Ausbildung und Hochschulstudium, zu den vier wichtigsten Säulen des deutschen Bildungssystems und trägt einen wichtigen Teil zum Konzept des Lebenslangen Lernens bei. Bereits seit den 70er Jahren wird die Teilnahmemöglichkeit durch Bildungsurlaubs- oder Bildungsfreistellungsgesetz gefördert.

Wie sich die Weiterbildungsbeteiligung seit dem Jahre 2007 entwickelt hat, wird durch den Berufsbildungsbericht des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) erfasst. Wir haben die wichtigsten Daten zur Weiterbildungsbeteiligung in Deutschland zusammengefasst und durch weitere Erhebungen aus dem Sektor der betrieblichen Weiterbildung ergänzt.

Weiterbildungsbeteiligung:
Die Weiterbildungsbeteiligung (berufsbezogenen und individuell) ist im Zeitraum 2007 bis 2010 leicht zurückgegangen. Insgesamt lag die Teilnahmequote an berufsbezogener Weiterbildung bei 36 Prozent, was einer Gesamtzahl von 7, 9 Millionen entspricht. Am häufigsten nehmen Vollzeitbeschäftigte an einer betrieblichen Weiterbildung teil. Hiervon waren 2010 insgesamt 46 Prozent der Befragten mindestens in einer Weiterbildungsmaßnahme aktiv. Erwerbstätige in Teilzeit haben sich zu 40 Prozent an berufsbezogener Weiterbildung beteiligt.



Weiterbildung nach Geschlecht:
Frauen beteiligen sich insgesamt seltener an Weiterbildung als Männer. Wobei die Unterscheidung zwischen betrieblicher und individueller berufsbezogener Weiterbildung zeigt, dass die Unterschiede tatsächlich nur aufgrund der verschieden hohen Teilnehmerzahl an betriebliche Weiterbildung bestehen. In der individuell berufsbezogenen Weiterbildung liegen Frauen sogar mit 13 Prozent vor den Männern. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass die insgesamt niedrigere Teilnahme von Frauen an betrieblicher Weiterbildung nicht zuletzt durch den Unterschied in der Erwerbsbeteiligung begründet ist.


Weiterbildung nach Alter:
Geordnet nach Altersgruppen sind unterschiedlicher Beteiligungen an der berufsbezogenen Weiterbildung zu erkennen. Die aktivste Gruppe sind die 35- bis 49-Jährigen, während 50- bis 64-Jährige nach wie vor die Arbeitnehmergruppe mit der geringsten Weiterbildungsbeteiligung (30 Prozent) darstellen.


Weiterbildung nach Schulabschluss:
Neben der Beschäftigungssituation ist die schulische Vorbildung einer Person der wichtigste Einflussfaktor bezgl. der Teilnahme an Weiterbildung. Generell ist fest zu halten, dass mit steigender Schulbildung auch die Wahrscheinlichkeit, sich an Weiterbildung zu beteiligen, steigt. Hinzu kommt, dass zwischen den Teilnahmequoten von Personen mit niedriger Schulbildung, denjenigen mit mittleren Abschluss und bis hin zu den Personen mit hohem Schulabschluss (Hochschulreife), immer ein deutlicher Abstand gegeben ist.


Weiterbildung im Unternehmen:
Der Fachkräftemangel scheint immer mehr Unternehmen bewusst zu werden. Deswegen setzen sie neben Ausbildung und einer Steigerung der Arbeitgeberqualität vor allem auf Weiterbildung. Dabei ist steigt mit der Unternehmensgröße auch die Bereitschaft zu Weiterbildungsmaßnahmen. Während von den kleineren Unternehmen etwa 35 Prozent aussagen, dass sie ihr Weiterbildungsangebot ausbauen möchten, sind es bei den Großunternehmen (ab 1000 Mitarbeitern) gut zwei Drittel. Dabei muss allerdings auch erwähnt werden, dass gerade in den kleineren Betrieben nur schwer formale Weiterbildungsmaßnahmen angeboten werden können. Stattdessen sind sie bemüht, das informelle Lernen im Betrieb zu stärken und ihren Mitarbeitern Möglichkeiten zur Selbstständigen Weiterbildung zu bieten.


Unterstützung durch die Unternehmen:
Der überwiegende Teil der Personalverantwortlichen unterstützt dementsprechend den Weiterbildungswunsch ihrer Mitarbeiter und fördert die Weiterbildung im Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten. So geben 87 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie sich zumindest zu einem Teil an der Finanzierung der Weiterbildung ihres Personals beteiligen. Gut ein Drittel von ihnen übernimmt sogar die kompletten Kosten. Auch durch die Freistellung für Fahrten zu Seminaren oder Klausuren unterstützen die meisten Betriebe (81 Prozent) ihre Mitarbeiter. Insgesamt lässt sich positiv vermerken, dass tatsächlich fast alle Unternehmen bemüht sind, die Weiterbildungswünsche ihrer Mitarbeiter zu unterstützen und sie auf vielfältige Weise für diese Zeit zu entlasten.


Eigeninitiative ist gefragt:
Viele Unternehmen nutzen offensichtlich eine große Bandbreite an Möglichkeiten, ihre Mitarbeiter fortzubilden. Gut drei Viertel aller Unternehmen setzt auf Weiterbildung in Rahmen von auswärtigen Tagungen und Seminaren. 60,8 Prozent veranstalten darüber hinaus auch regelmäßig Präsenzunterricht im eigenen Haus. Entscheidend für eine Weiterbildung ist für die Unternehmen vor allem die Eigeninitiative der Mitarbeiter. Egal, welche Form von Weiterbildung im Unternehmen angeboten wird oder vielleicht auch vom Mitarbeiter selbst vorgeschlagen wird: Die Mitarbeiter sollten motiviert und interessiert sein und sich auch eigeninitiativ weiterbilden.


Kosten für die Beteiligung an der Weiterbildung:
Befragt man größere Unternehmen zu ihrem Weiterbildungsbudget, wird deutlich, dass sich die finanzielle Unterstützung in etwa gleichmäßig in eine Spanne von 1 bis 5000 Euro aufteilt. Prozentual wird am häufigsten (25Prozent) zwischen 1000 und 1999 Euro für die Weiterbildung eines Mitarbeiters in einem Jahr ausgegeben. Über 5000 Euro geben noch acht Prozent der Unternehmen für ihre Mitarbeiter aus.


Blended Learning auf dem Vormarsch:
Obwohl aktuell in vielen Unternehmen noch die klassischen Weiterbildungsmodelle wie Präsenzveranstaltung im Haus oder externe Kursbesuche überwiegen, erkennen Experten ganz klar die zunehmende Bedeutung neuer Lernformen. 96 Prozent glauben, dass vor allem der Mix aus klassischen Präsenzunterricht und dem webbassierten Selbststudium, das sog. Blended Learning, in Zukunft eine zentralere Rolle für das betriebliche Lernen spielen wird. Neben Web Based Trainings (81 Prozent) und Virtuellen Klassenräumen (74 Prozent) schätzen die Experten daneben auch die Entwicklung von Apps (71 Prozent) als sehr bedeutsam für die zukünftige Entwicklung im Weiterbildungssektor ein.


Fazit:
Nachdem bis in die Mitte der Neunziger die Weiterbildungsbeteiligung stetig stieg, folgte in den darauffolgenden Jahren ein leichter Rückgang der Teilnehmerzahlen. Allerdings zeigen neuste Hochrechnungen wieder einen positiven Trend auf. Zudem sind die Akzeptanz von Weiterbildung und dadurch auch dessen Förderung durch Unternehmen und Arbeitgeber in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Fast alle Betriebe haben inzwischen den drohenden Fachkräftemangel erkannt und setzen vermehrt auf die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Dabei finanzieren sie nicht nur die Weiterbildung teilweise, sondern nutzen auch immer häufiger moderne Lehr- und Lernformen.

Hinweis:
Eine übersichtliche Infografik zu den wichtigsten Ergebnissen haben wir für Sie auf Hauptsache Bildung zusammengestellt.

Quellen:






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